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Organische Belastung der Flüsse der DDR 1990
In den 70er Jahren war der Rhein bei Düsseldorf ein Gewässer mit starker
organischer Verschmutzung. Die Folge war ein niedriger Sauerstoffgehalt.
Auch der Neckar bei Ludwigsburg wies ein enormes O2-Defizit und eine
hohe Konzentration von Abwasserpilzen auf. Rhein und Neckar galten in
den 70ern als „Kloaken der Nation“. Das Wasser von Rhein und Neckar
bekam Ende der 70er Jahre die Gewässergüteklasse IV verliehen, während
heute beide Flüsse sowie die meisten anderen Fließgewässer in
Deutschland nahezu Trinkwasserqualität besitzen (Güteklasse II).
Besonders dramatisch war die Verschmutzung der Gewässer in der DDR. Die
DDR verfügte über insgesamt 90.000 Kilometer Flüsse und Bäche. 46
Prozent der 11.000 Kilometer waren 1990 durch ihre organische,
hygienische und Salzbelastung nicht mehr für eine Badenutzung, nicht
mehr für eine einfache Aufbereitung in der Industrie und schon gar nicht
für die Trinkwasserversorgung geeignet. Nach der Wiedervereinigung wurde
durch den Neubau von Kläranlagen und der Beendigung besonders
umweltschädlicher Produktionsverfahren die Wassergüte der Flüsse im
Westen erreicht.
Heute umfassen die ständigen Beobachtungsprogramme der
Fließgewässerüberwachung in Baden-Württemberg sorgfältige
biologisch-physikalische und physikalisch-chemische Untersuchungen. Sie
überwachen permanent die Wasserqualität der Fließgewässer und stehenden
Gewässer und benoten diese mit so genannten Gewässergüteklassen.
Gewässergüteklasse
Anhand der Gewässergüteklasse wird der Belastungszustand von
Fließgewässern mit organisch abbaubarem Material bemessen. Die fünf
Gewässergüteklassen basieren auf dem Saprobiensystem und werden in
Gewässergütekarten dargestellt. Das Saprobiensystem erlaubt die
Einordnung eines Gewässers anhand von Leitsaprobionten (Indikator-Organismen)
in eine von fünf Güteklassen durch die normierte Ermittlung des
Saprobienindex.
Inhaltsverzeichnis
• 1 Die Güteklassen
• 2 Stehende Gewässer
• 3 Siehe auch
• 4 Weblinks
Die Güteklassen
Die fünf Gewässergütestufen des Saprobiensystems werden durch drei
Zwischenstufen ergänzt, so dass eine biologische Klassifikation eines
Fließgewässers in acht Stufen möglich ist:
• Güteklasse I (unbelastet bis sehr gering belastet): Reines, stets
annähernd sauerstoffgesättigtes Wasser, nährstoffarm, geringer
Bakteriengehalt. Laichgewässer für Salmonidae. Nur in Quellbächen und
anthropogen unbeeinflussten Gebieten. Saprobienindex kleiner 1,5.
Sauerstoffgehalt in der Regel 95-105%, BSB5 ca. 1 mg/l.
• Güteklasse I-II (gering belastet): Geringe organische oder
anorganische Nährstoffzufuhr, keine nennenswerte Sauerstoffzehrung.
Vielfältige und dichte Besiedlung. In der Regel Oberläufe von Gebirgs-
und Mittelgebirgsbächen. Saprobienindex 1,5-1,8, Sauerstoffsättigung in
der Regel 85-95%, BSB5 1,0-2,0 mg/l, Ammonium bis 0,1 mg/l.
• Güteklasse II (mäßig belastet): Mäßige Verunreinigung und noch gute
Sauerstoffversorgung. Sehr große Artenvielfalt und Individuendichte:
Algen, Schnecken, Kleinkrebse, Insektenlarven, insbesondere große
Flächen mit Wasserpflanzen. Ertragreiche Fischgewässer. Mittel- und
Unterläufe großer Flüsse und sommerwarme Flachlandbäche. Saprobienindex
1,8-2,3, Sauerstoffgehalt mehr als 6 mg/l, BSB5 2-6 mg/l, Ammonium bis
0,3 mg/l.
• Güteklasse II-III (kritisch belastet): Belastung mit organischen
sauerstoffzehrenden Stoffen bewirkt kritischen Zustand. Fischsterben
wegen Sauerstoffmangels möglich, Artenrückgang bei Makroorganismen,
Massenentwicklungen auch von Algen. Saprobienindex 2,3-2,7,
Sauerstoffsättigung zum Teil weniger als 50%, BSB5 5-10 mg/l, Ammonium
bis 1,0 mg/l.
• Güteklasse III (stark verschmutzt): Starke organische
sauerstoffzehrende Verschmutzung und dadurch meist niedriger
Sauerstoffgehalt. Örtlich Faulschlammablagerungen und Kolonien von
fadenförmigen Abwasserbakterien. Populationen von Schwämmen, Egeln,
Wimpertierchen und Wasserasseln größer als der Algen. Geringe
Fischereierträge, periodisches Fischsterben. Saprobienindex 2,7-3,2,
Sauerstoffgehalt zum Teil unter 2 mg/l, BSB5 7-13 mg/l, Ammonium über
0,5 mg/l; kann bis zu mehreren mg/l erreichen.
• Güteklasse III-IV (sehr stark verschmutzt): Weitgehend eingeschränkte
Lebensbedingungen durch Verschmutzung und geringen Sauerstoffgehalt;
verstärkt durch toxische Stoffe. Zeitweilig totaler Sauerstoffschwund.
Trübung durch Abwasserschwebstoffe, Faulschlammablagerungen mit
Zuckmückenlarven und Schlammröhrenwürmer. Abwasserpilz bedeckt
Gewässergrund, deutlicher Abwassergeruch. Kaum Fischpopulationen.
Saprobienindex 3,2-3,5, Sauerstoffgehalt unter 1 mg/l, BSB510-20 mg/l,
Ammonium mehrere mg/l, oft auch toxische Stoffe.
• Güteklasse IV (übermäßig verschmutzt): Übermäßige Verschmutzung durch
organische sauerstoffzehrende Abwässer, Fäulnisprozesse vorherrschend.
Sauerstoff über lange Zeiten nur in sehr niedrigen Konzentrationen oder
nicht vorhanden. Besiedlung nur durch Bakterien und Geißeltierchen,
zeitweilige biologische Verödung. Abwasserpilz und Schwefelbakterien
lassen Gewässer weiß erscheinen. Saprobienindex größer 3,5,
Sauerstoffgehalt gegen 0 mg/l, BSB5 mehr als 15 mg/l, Ammonium mehrere
mg/l, auch toxische Stoffe.
Organische Belastung der Flüsse der DDR 1990
Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde eine weitere Güteklasse
eingeführt, die seit 1995 aber nicht mehr verwendet wird:
• Güteklasse V (ökologisch zerstört): Biologisches Gleichgewicht
zerstört, keine Besiedlung oder nur durch spezialisierte Bakterien.
Insbesondere anaerobe Gewässer mit Sulfatreduktion und sehr starker
toxischer Belastung.
Durch die Europäische Wasserrahmenrichtlinie wurde diese bisher vor
allem im deutschsprachigen Raum übliche und normierte Klassifizierung in
5 Stufen für den Gesamtbereich der EU mit geringfügigen Anpassungen
eingeführt.
Stehende Gewässer
Da stehende Gewässer in der Regel nicht zum Abtransport organischer
Frachten benutzt werden, eignet sich das Saprobiensystem wenig zu ihrer
Qualitätsbeurteilung. Sie werden vielmehr nach dem Trophiensystem
hinsichtlich ihrer Belastung mit Pflanzennährstoffen, welche die
Primärproduktion fördern, beurteilt. Ein trophisches Beurteilungssystem
für Fließgewässer ist in Entwicklung.
Neben der biologisch-chemischen Gewässergüte gibt es auch die
Strukturgüte eines Gewässers, die die anthropogene Gestaltung, zum
Beispiel Brücken, Begradigungen oder Uferbefestigungen beschreibt.
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